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Ein ganz normaler Tag
Diesen Artikel als PDF speichern. Abgelegt in der Kategorie Reiseberichte.Ein ganz normaler Tag. Heute ist Dienstagabend und ich möchte einfach einen ganz normalen Tag auf meinen Reisen beschreiben. Doch zuvor möchte ich erwähnen, dass ich nicht den Anschein erwecken will das ich eine negative Einstellung gegenüber dem Reisen habe, ganz im Gegenteil, aber „reisen“ bedeutet im englischen „travelling“ welches aus dem französischen „travailler“ abgeleitet wird, was soviel wie „arbeiten“ bedeutet. Mit der Darstellung eines ganz normalen Tages, auf meinen Reisen, möchte ich ein weiteres Bild zum Verständnis des Reisens geben. Diese „Arbeit“ ist auf meinen Reisen ein wichtiger Bestandteil, ohne die ich nie in den Genuss kommen würde, die vielen beeindruckenden Dinge auf dieser Welt zu erleben.

Normalerweise wache ich morgens zwischen 7 Uhr und 8 Uhr auf. Einen Wecker benötige ich nicht, in der Regel erwache ich von den Lauten mir unbekannter Vögel, des allzu geschäftigen Verhaltens eines frisch verliebten Pärchens im Nachbarzimmer, des tüchtigen Treibens hellwacher Lieferanten oder nicht zuletzt durch die nächtige Gesellschaft um mich herum und das ewige Jucken neuer Mückenstiche. Mein Frühstückt besteht aus einer Dose „Nescafe“ - weltweit erhältlich - und einem „KitKat Schokoladenriegel“ - ebenfalls von Nestle und ebenfalls weltweit erhältlich - beide Artikel haben allerorts den gleichen Geschmack und bei beiden Artikeln weiß ich was im Halbschlaf in meinen Mund gelangt.

Den Vormittag nutze ich um von A nach B zu gelangen. Dies bedeutet das ich auf penible Art und Weise meine Sachen überprüfe, bei meiner Übernachtungsmöglichkeit auschecke, dem Personal versprechen muss das ich bestimmt wieder komme um beim nächsten mal nicht abermals hartnäckig über den Übernachtungspreis verhandeln zu müssen. Nun gilt es den richtigen Bus - an der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit - zu erwischen. Erleichtert wird das durch fehlende Beschriftungen an den Bussen, das alle Busse gleich aussehen, das kein Busfahrer englisch sprechen kann oder will und - wenn ich nicht gleich einen kostenpflichtigen „Guide“ an meiner Seite haben möchte - auch niemanden fragen kann. An dieser Stelle nur kurz etwas zur paradiesischen Umgebung ferner Länder. In der Zeit, in der ich diesen Absatz geschrieben habe, haben mich zwei Mucken gestochen - oder eben eine extrem durstige.
Nun aber zurück zu den Bussen. Wenn ich nun der Meinung bin, den richtigen Bus gefunden zu haben, nehme ich in diesem meinen Platz ein. Die Busse füllen sich recht schnell. In einem habe ich das Schild gelesen „83 Seats, 100 Passenger max.“. Ich hatte genug Zeit die einsteigenden Leute zu beobachten und startete den kläglichen Versuch diese zu zählen. Es standen im Gang etwa 50 Personen und auf den Sitzreihen - mit je zwei Sitzen - saßen zwischen 3 und 4 Leute. In Sri Lanka entdeckte ich einen leeren Bus, der eine starke Neigung nach Links besaß. Das Fahrwerk hatte bestimmt schon vor langer Zeit seinen Dienst eingestellt. In dem Moment, in dem der Busfahrer das vollkommen Überfüllte Gefährt, in Gang setzt, gebe ich mein Leben in die Hände desselben. Ignorierend jeder Verkehrsregel versucht dieser noch weitere Passagiere aufzunehmen und möglichst schnell den Bestimmungsort zu erreichen. Irgendwann erfahre ich einen Schlag auf meinen Schultern, der mir signalisieren soll, dass ich an meinem Ziel angelangt bin. Ich saß nur einmal in meinem Leben ganz hinten. Ich werde nie wieder einen Sitzplatz in den letzten Reihen freiwillig in Betracht ziehen, den anschließend musste ich, mit Rückenschmerzen - bedingt durch das starke durchfedern der Hinterachsen, eine Strecke von 5 KM zurück laufen, weil ich erst nach erneuter Anfahrt des Busses zu dem Ausgang kam.

Auf wundersame Art und Weise sieht jeder Bestimmungsort anders aus, als ich mir diesen vorgestellt habe. Als nächstes tritt bei mir - gegen Mittag - die Essensphase ein. Die Nahrungsmittelsuche kann sehr anstrengend sein, da nicht jeder englisch kann, ich genauso wenig weiß was mir gerade zubereitet wird und mein Magen erst recht nicht weiß, was er anschließend mit dem Essen anstellen soll.
Nachdem Essen liegt in der Regel erst einmal diese 1 KM Pauschale an. Ich nenne diese so, da ich nie ohne einen Marsch in der ungefähren Höhe von 1 KM mein Ziel erreiche. Nach dieser Pauschalstrecke werden Museen eingehend studiert und Sehenswürdigkeiten in der Manier von Indiana Jones erkundet. Nicht gerade selten ist dies mit klettern, Stufen steigen, schmalen unwegsamen Pfaden, dem Regen oder der heißen Mittagssonne verbunden.
Während ich noch die soeben erfahrenen Eindrücke verarbeite, muss eventuell die weiterfahrt in die nächste Stadt organisiert werden. Nachdem die Bustortur abermals abgeschlossen ist und die 1 KM Pauschale seine Existenzansprüche geltend gemacht hat, gehe ich zur Übernachtungsmöglichkeitsuche über. Irgendwann - nach hartnäckigen verhandeln - bin ich dann froh meinen 20KG Rucksack endlich abzusetzen. Jetzt gönne ich mir eine 10 Minuten lange Pause auf dem Bett.
Leider wurden bis jetzt noch keine Klamotten gewaschen, Proviant eingekauft, keine Emails gelesen bzw. beantwortet oder alle anderen alltäglichen Dinge getan. Abends falle ich dann gegen 21 Uhr müde ins Bett. Zuvor sollte ich jedoch den Bestimmungsort für den nächsten Tag festlegen, Postkarten schreiben und mein Tagebuch mit Stichworten füllen.
Normalerweise würde ich sagen, dass ich - bei so einem „normalen“ Tagesablauf - nach dem Reisen unbedingt Urlaub benötige. Doch das Gegenteil stellt sich ein. Ich benötige nach einer Reise mehr „Auslauf“ als zuvor, da meinem Köper auf wundersame Art und Weise wesentlich mehr Energie zu Verfugung steht. Auch würde ich ohne diese „Arbeit“ nicht der sein, der ich bin:
Ein Mensch mit großer Leidenschaft zum Reisen.
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