Historisch-Politische Situation in Sri Lanka
Diesen Artikel als PDF speichern. Abgelegt in der Kategorie Brennpunkte.Sri Lanka erhielt seinen unabhängigen Status im Jahre 1948 nach dem es fast fünfhundert Jahre von drei Kolonialmächten beherrscht wurde. Die ersten waren die Portugiesen gefolgt von den Holländern und den Engländern.
Die Engländer die fast zeitgleich (1949) die Kolonialherrschaft in Indien abgegeben haben, haben dem heutigem Sri Lanka (ehemaligem Ceylon) viele positive Dinge hinterlassen. So zum Beispiel das bis heute sehr gut funktionierende Bildungssystem, dass dem englischem System sehr angeglichen ist und dem ehemaligem dreigliedrigem deutschen Schulsystem ähnelt. Die Bereitschaft der Bevölkerung sich zu bilden ist sehr groß. Als positives Ergebnis für Sri Lanka ist zu verzeichnen, dass 90 % der Bevölkerung alphabetisiert ist und dies für ein Drittwelt Land ein sehr hohes Bildungsniveau ist. Die Kommunikationsinfrastruktur mit Post und Telefon sind auf sehr altem Stand, dennoch sind Medien wie das Internet auf dem Vormarsch. Das Kranken- und Sozialversichungssystem ist dem Englischem sehr nahe liegend. Die Zeit nach 1948 war für Sri Lanka erstmals eine Zeit in der freie Wahlen stattgefunden haben. Die Regierungsform ist bis heute eine parlamentarische Demokratie in welcher der Präsident exekutiv Vollmachten besitzt, wie in den USA.
Bei diesen alle fünf Jahre stattfindenden freien Wahlen kandidierte 1950 ein damals junger Mann mit Namen S.W. Bandaranaike der sich zunutze machte, dass er der Bevölkerungsmehrheit, den Singhalesen angehörte. Er war ein sehr populistischer Politiker der die Wahl zum Premierminister gewinnen konnte. Mann analysiert seinen Erfolg heute so, dass man sagt: das der Herr Bandaranaike sich den Slogan „singhali only“, „ausschließlich singhalesisch “ zu nutze machte und dieser den wahlentscheidenden Erfolg brachte, den 80 % der Singhalesen gaben ihm daraufhingehend die Stimme. Dieses Wahlversprechen in welchem Singhalesisch als Staats- und Amtssprache für ganz Sri Lanka eingeführt werden sollte, führte zu katastrophalen Folgen. Diese „singhali only“ Politik führte viele Jahre später, bis zur heutigen Zeit zum Entstehen des militanten Terrorismus. Der tamilische Minderheit war es von nun an nicht mehr möglich in ihrer Sprache Amtsangelegenheiten und andere Geschäfte abzuwickeln. Sie waren auf singhalesische Übersetzter angewiesen, da sie die Vordrucke nicht lesen und somit ausfüllen konnten, Konflikte waren an der Tagesordnung. Die Ära Bandaranaike und die Entscheidung „singhali only“ wird heute von Analytikern als Grundsteinlegung für die Entstehung des Terrorismus in Sri Lanka gesehen. Moderate Politiker der Tamil United Liberation Front (TULF), die versuchten Tamilisch als zweite oder dritte Amtssprache, neben Englisch zu etablieren sind mit ihren Einsprüchen nicht erfolgreich gewesen. Aus diesem Misserfolg bildete sich dann eine militante Gruppe, die sich selbst „Befreiungstiger“ nannte. In Sri Lanka und in der Welt bekannt unter der Bezeichnung LTTE, Liberation Tamil Tiger Eelam, fordern sie ihren eigenen Staat. Im Juli 1983 verschärften sich die Auseinandersetzungen so weit das die TULF aus dem Parlament geworfen wurde.
Im Jahre 1983 kam es dann auch zu den bisher blutigsten Auseinandersetzungen auf dieser kleinen Insel die flächenmäßig so groß ist wie Bayern. Der Anlass war das im Norden der Insel um das Gebiet Jafna eine Militärpatrouille in einen Hinterhalt der Rebellen geriet und dreizehn Soldaten der Sri Lankischen Armee ums Leben kamen. Man wusste um die politische Brisanz dieser Angelegenheit und die politischen Verantwortlichen in Colombo veranlassten, dass die dreizehn getöteten Soldaten heimlich in der Hauptstadt, Colombo beerdigt werden sollte um ein eskalieren der Gewalt zu vermeiden. Dieses ist allerdings an die Presse und somit an die Öffentlichkeit geraten und nationale Zeitungen und rechtsgerichtete Politiker nahmen dies zum Anlass die Regierungsarbeit anzugreifen. Die Öffentlichkeit war nach dem Bekannt werden außer sich und es kam zu einem Aufstand. Bei diesem Aufstand kamen viele Hunderte Tamilen im ganzen Land zu Tode. In der Weltpresse wurde dieses Ereignis als Pogrom dargestellt, denn wie sich hinterher rausstellte haben Regierungsvertreter bzw. Regierungsbeamte Adresslisten von tamilischen Bewohnern Colombos und anderen großen Städten öffentlich gemacht, so dass der Mopp die tamilischen Mitmenschen ausfindig machen konnte um diese bestialisch zu töten oder zu verletzten. Nach den blutigen Bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen im Jahre 1983 sind sehr viele Tamilen ins Ausland gegangen und wurden von den westlichen Ländern als Asylbewerber akzeptiert.
Im weiterem Verlauf der nächsten Jahre hat die LTTE erheblich Zulauf an Gefolgsleuten gewonnen die eine Lösung des Konfliktes nur mit Waffengewalt sahen. Aus den anfänglich kleinen Bewegungen einzelner Gruppierungen entstand bis ca. 1989 eine regelrechte Armee, deren geschätzte Gruppenstärke ca. 8000 Mann war.
In die Schlagzeilen geraten sind die Tamil Tiger auch durch Zwangsrekrutierung Jugendlicher die eine quasi Ausbildung als Rebell machen mussten und an Selbstmordaktionen teilnehmen mussten. Die LTTE sind verantwortlich für zahlreiche Bombenanschläge z.B. auf die Zentralbank in Colombo, bei der 180 Menschen getötet und sehr viele verletzt wurden oder auf das Hauptquartier der Sri Lankischen Armee, Anschläge auf Fregatten und Schiffe der Navy.
Im jüngsten und verheerendstem Anschlag auf den Bandaranaike Zivilflughafen Sri Lankas im Juli 2001 zerstörte ein 14 Mann starkes Kommando der LTTE fast die gesamte Luftwaffe und die Hälfte der staatlichen Fluglinie SRILANKAN Airlines. Dies führte dazu, dass das Land den Staatshaushalt noch erheblich mehr mit Militärausgaben belasten musste. Zudem forderte die Weltzentralbank zu diesem Zeitpunkt Kredite zurück. Die Folge war ein bankroter Staatshaushalt.
Mit dem Terroranschlag am 11. September auf das World Trade Center und das Pentagon in Amerika veränderte sich die Weltauffassung über die Unterstützung (auch ideelle Unterstützung) von so genannten Befreiungsorganisationen schlagartig. So wurde auf Veranlassung der amerikanischen Regierung eine Liste von Terrororganisationen der ganzen Welt erstellt und es wurde veranlasst das Konten einzufrieren. Die USA beschwor mit Bündnispartnern nach dem 11. September den Kampf gegen den Terror. Die LTTE war gelistet als eine dieser Terrororganisationen und erstmalig wurden die legal arbeitenden politischen „Arme“ der LTTE in England und Deutschland auf die Liste von Terrororganisationen gesetzt.
Am 6.12.2001 wurde die Regierung Bandaranaike durch eine gemeinsame Front von demokratisch, pazifistischer Organisationen und Parteien abgelöst. Dieser Wahl gingen blutige Kämpfe voraus die ich live erlebte. Die neue Regierung, United National verfolgt seit dem Dezember eine erheblich andere politische Richtlinie. Die Friedensverhandlungen haben oberste Priorität. Das Wirtschaftsembargo gegen den Norden und Osten wurde deutlich gelockert und es dürfen jetzt essentielle Dinge, Medikamente, Nahrungsmittel in diese Gebiete gebracht werden. So ist ein kleiner Handel entstanden und es dürfen mit Zustimmung der LTTE erstmalig Journalisten die sogenannten „Unclear Areas“ besuchen. Auch Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz können jetzt ihren Arbeiten nachgehen und eine Versorgungsinfrastruktur für die Bevölkerung aufbauen. Wunsch der neuen Regierung unter Einbeziehung der norwegischen Regierungsdelegation ist ein Friedens-, Waffenstillstandsabkommen. Am 23.02.2002 wurde diese Abkommen von der norwegischen Regierung vermittelt und von beiden Parteien unterzeichnet. Soweit zur Geschichte und der politischen Situation bis Dezember 2002.
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